Kambodscha – Mehr als nur Tempel

Kambodscha – Mehr als nur Tempel

Auch eine Reise über tausend Meilen beginnt mit einem Schritt

Buddha

Hinter Nordamerika, Afrika und Europa konnten wir bereits einen Haken machen und schon einige Ziele auf unserer Scratching Map freirubbeln. Asien hingegen war noch ernüchternd grau, weswegen wir für 2019 ein Ziel in Asien ins Auge fassten. Allerdings gibt es durch Hörensagen viele tolle und lohnenswerte Ziele, insbesondere im Südosten. Mehr durch Zufall hörten wir von einem Bekannten nur Gutes und viel Schwärmereien für Kambodscha – das Land der vielen Tempel. Wie auch bei den vorherigen Zielen machten wir uns vorab über diverse Reiseblogs und Reiseführer schlau und verliebten uns an Anhieb. Den Gedanken, diesmal low-budget zu reisen – was übrigens durchaus machbar ist in Südostasien – verwarfen wir allerdings schnell wieder, nachdem wir von der Möglichkeit hörten, eine geguidete Tour nur für uns Zwei zu buchen; und das auch noch über einen Bekannten einer Bekannten, dem wir diesbezüglich absolutes Vertrauen entgegenbrachten. Entsprechend easy war diesmal auch die Planung, denn die wesentlichen Details wie Mietwagen, Unterkunft, Transfers und und und wurden vom Reiseunternehmen übernommen.

So mussten wir uns nur noch mit der Reisezeit und den unseren „must haves“ auseinandersetzen, was allerdings in einem doch recht großen Land wie Kambodscha durchaus nervenaufreibend sein kann. Wir entschieden uns für eine dreiwöchige Tour im November, also zum Ende der Regenzeit. Und tatsächlich hören sich der Wochen länger an, als sie eigentlich sind. Denn leider mussten wir trotzdem ein paar Abstriche bei der Reiseplanung machen und auf den Osten des Landes inklusive der weit bekannten Flussdelphine verzichten. Aber die Transfers wären sonst einfach zu lang gewesen. Denn die Straßenverhältnisse in Kambodscha sind alles andere als mit den hiesigen zu vergleichen. Selbst ohne viel Verkehr – den es in Form von Rollern, Autos, LKWs und Pickups in Kambodscha satt und genug gibt – lassen die löchrigen Straßen ein flüssiges und schnelles Fahren kaum zu. Also entschieden wir uns gegen den Osten und für mehr Zeit in Siem Reap, Phnon Penh, Kampot, Kep und Battambang. Nach einigen Mails mit unserem Reiseveranstalter stand dann recht schnell eine voll und ganz auf unsere Wünsche zugeschnittene Tour fest, bei der wir uns um kaum noch etwas Gedanken machen mussten.

Unsere Kambodscha-Tour

Über Malariaprophylaxe mussten wir uns nicht mehr großartig schlau machen, da konnten wir gut und gerne auf unsere Erfahrungen in Südafrika zurückgreifen.  Das Königreich Kambodscha grenzt an Thailand, Laos und Vietnam und ist überwiegend buddhistisch geprägt. Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer sticht uns bei unseren ersten Recherchen besonders ins Auge. Denn es ist noch gar nicht so lange her, dass Kambodscha vom Bürgerkrieg gezeichnet wurde. Zwischen 1975 und 1979 litt die Bevölkerung unter einer Schreckensherrschaft im Zuge dessen geschätzt 2 Millionen Khmer ihr Leben ließen. Wir erhoffen uns von unserer Tour natürlich, neben der Landschaft und der Kultur mehr über die Zeiten der Roten Khmer zu erfahren. Deswegen stehen ganz bewusst auch Attraktionen wie die Killing caves oder das Tuol-Sleng-Genozid-Museumin Phnom Penh in unserem Programm.

Dämonenbalustrade vor Angkor Thom

Nachdem wir uns in Singapur bereits ein wenig an das südostasiatische Klima und Flair gewöhnen konnten, starten wir unseren Trip durch Kambodscha in Siem Reap. Wie vom Reiseveranstalter versprochen werden wir absolut unkompliziert und zuverlässig von unserem Guide und unserem Fahrer am Flughafen abgeholt und zu unserer ersten Unterkunft gebracht. Vorher machen wir noch einen Abstecher zu einer traditionellen Seidenfarm. Das La Niche D’Angkor Boutique Hotel ist von seiner Lage her einfach nur phänomenal gut ausgesucht! Und noch dazu hat es mit seinem Pool in der Mitte der Location und den Palmen drum herum ein tolles Ambiente. Abends erwartet uns eine traditionelle Apsara-Tanzvorstellung und der erste Tag ist damit bis auf den anhaltenden Regen perfekt!

Schwimmendes Dorf Kampong Phlouk

Am Folgetag werden wir von einem Tuk Tuk und unserem Guide abgeholt und machen uns auf den Weg zu den schwimmenden Dörfern am Tonle Sap; dem größten Binnensee Kambodschas. Mit dem Tuk Tuk in Kambodscha unterwegs zu sein ist spitze und wir bekommen das Land aus einer ganz tollen Perspektive zu Gesicht. Neben den schwimmenden Dörfern besuchen wir auch unsere erste Pagode, erleben eine traditionelle Wassersegnung,  besuchen ein Dorf und bekommen durch unseren Guide auf eine besondere Art und Weise das Dorfleben mit. Mit dem Tuk Tuk geht es wieder zurück. Abends stürzen wir uns ins Getümmel von Siem Reap und zwar mit der Vespa. Wir machen eine kulinarische Reise durch die Stadt, die keinen einzigen Wunsch offen lässt. Bereits am zweiten Tag sind wir irgendwie total reizüberflutet durch die vielen Eindrücke und Geschmäcker.

Angor Wat

Am dritten Tag erkunden wir die Highlights der Tempel von Angkor – dem UNSECO Weltkulturerbe. Wir starten allerdings nicht mit Angkor Wat, sondern am anderen Ende mit Angkor Thom, Bayon und den „Urwaldtempeln“ Ta Prohm, die nicht minder schön anzuschauen sind. Leider schlägt das Wetter gegen Nachmittag um und versaut uns etwas den Blick auf Angkor Wat. Bei einem heftigen Schauer verpassen wir die Möglichkeit, den Tempel bei untergehender Sonne zu fotografieren. Aber die besten Bilder behalten wir selbstverständlich im Kopf. Für alles andere gibt es Postkarten mit entsprechenden Fotomotiven.

Terrasse der Elefanten in Angkor Thom

Bevor wir uns am Tag darauf auf den Weg nach Battambang machen, nehmen wir noch an einem ganz traditionellen Kochkurs nur für uns Zwei teil. Wir lernen allerlei nettes Hintergrundwissen über die traditionell in der kambodschanischen Küche verwendeten Kräuter und zaubern unseren eigenen Mango Salat, Fish Amok und als Dessert karamellisierte Kochbananen. Yamyam!!

Blick vom Phnom Sampeau Berg

Den nächsten Tag verbringen wir in Battambang beim Phnom Banon Mountain Tempel und am Phnom Sampeau Berg. Wir besuchen die Killing Caves und sammeln erste schreckliche Eindrücke über das Regime der Roten Khmer. Als die Dämmerung hereinbricht genießen wir auf einer Terasse ein herrliches Naturschauspiel: Sobald die Sonne untergeht, schwärmen Millionen von Fledermäuse aus ihrer Höhle und machen sich auf Nahrungssuche.

Satellitentempel von Banteay Chhmar

In Absprache mit unserem Guide machen wir am nächsten Tag einen Ausflug, der so in unserem Programm nicht vorgesehen ist. Wir fahren nach Banteay Chhmar, einer riesigen Tempelanlage nur wenige Kilometer von der thailändischen Grenze entfernt. Diese Tempelanlage ist kaum restauriert und von Pflanzen überwuchert. Sie zeigt dafür um so deutlicher, dass sich die Natur über kurz über lang auch ehemals bebaute und zivilisierte Areale zurückholt. Danach machen wir uns wieder zurück auf den Weg nach Siem Reap und übernachten ein weiteres Mal im La Niche D’Angkor Boutique Hotel.

Sambor Prei Kuk

Danach geht aus in Richtung Kampong Thom und auf dem Weg dorthin erkunden wir ca 80 bis 100 Tempelruinen von Sambor Prei Kuk, die deutlich älter sind als Angkor Wat oder andere große Tempel. Diese Tempel stammen nämlich aus dem siebten Jahrhundert; sind deswegen aber nicht weniger interessant. Allerdings sind viele der Tempel von Wald überwuchert.

Königspalast Phnom Penh

Von Kampong Thom geht es in Richtung Phnom Penh. Hier verabschieden wir uns von unserem ersten Guide und erwarten gespannt unseren neuen Guide, der sich bestens mit der Kultur und der Umgebung rund um die Hauptstadt Phnom Penh auskennen soll. Wir übernachten im Double Leaf Boutique Hotel, einem schicken Hotel mit toller und zentraler Lage. Neben einer Tour mit einer Fahrradrikscha steht auch der Besuch des Nationalmuseums auf dem Plan. Der Königspalast ist eines unserer Highlights! Absolut beeindruckend: Ein riesiger Buddha aus Gold und Diamanten.  Außerdem besuchen wir natürlich noch die verschiedenen Märkte, die die Stadt so zu bieten hat.

Küste in Kep

Von Phnom Penh aus geht es in Richtung Kep. Hier erwartet uns die Besichtigung einer Pfefferplantage, auf der wir allerlei Wissenswertes über den Anbau des hier bekannten und beliebten Kampotpfeffers lernen. Und natürlich decken wir uns auch mit Pfeffer als Souvenir ein, denn originaler Kampotpfeffer kostet in Deutschland ein Vielfaches mehr. Die Tour machen wir wieder mit dem Tuk Tuk und bekommen so wieder viel von der Gegend zu Gesicht. Außerdem ist unser weiblicher Guide unglaublich informiert und freundlich! An der Küste essen wir natürlich Krabben, denn dafür ist die Region bekannt. Und selbstverständlich werden die in einer frischen Soße aus grünem Pfeffer serviert. In Kampot nehmen wir außerdem noch eine tolle Bootstour zum Sonnenuntergang mit. Entgegengesetzt der Strömung fahren wir mit einem Boot voller Einheimischer den Fluss entlang und beobachten das Treiben. Wir machen kurz Halt, um an einem Ufer Glühwürmchen zu beobachten, bevor wir wieder kehrt machen. Die Stimmung unter Kambodschanern ist ein tolles Erlebnis und die Shrimps an Board runden das Erlebnis ab.

Bokor Mountain National Park

In der Nähe von Kampot liegt außerdem der Bokor Mountain National Park. Hierfür planen wir einen ganzen Tag ein, um von verschiedenen Stellen aus einen tollen Aussicht auf die Ebene zu genießen. Mit etwa 16 ° Celsius ist es erstaunlich kühl und da wir kontinuierlich 30 °C gewohnt sind, frieren wir sogar ein wenig. Witzigerweise entdecken wir dort auch etwas, womit wir nicht unbedingt gerechnet haben: Eine katholische Kirche in der chinesische Touristen fröhlich Kirchenliefer trällern.

Wir nehmen Abschied von unserem Guide und unser Fahrer bringt uns nach Sihanoukville. Von der Stadt sehen wir nichts, sondern von dort aus nehmen wir die Fähre nach Koh Rong.

Strand auf Koh Rong

Dort erwarten uns die schönsten Strände, die wir bisher gesehen haben. Weißer Sand, soweit das Auge reicht, viel Sonne und kristallklares Wasser. Des Resort mit seinem privaten Strandabschnitt lädt einfach dazu ein, um die Seele baumeln zu lassen. Auf einer Liege unter einer Palme lassen wir es uns gut gehen. Allerdings halten wir diese Ruhe nicht allzu lange aus, da juckt uns schon wieder unser Unternehmungsdrang. Mit der Fähre fahren wir deswegen zum anderen Ende der Insel zum High Point Rope Park. Der Parcours ist – insbesondere auch bei den Temperaturen – nichts für schwache Nerven. In schwindelerregender Höhe geht es über mehrere Stationen durch die Baumkronen und zum Abschluss werden wir mit einer langen Zip Line belohnt, die es in sich hat.

Zurück geht es nicht mit der Fähre, sondern mit dem Moped. Nach etwas Herumfragerei organisieren wir uns jeder unseren eigenen Mopedfahrer, der uns auf eine noch abenteuerlichere Art und Weise über Stock und Stein wieder zurück zum Resort bringt. So viel Adrenalin hatten wir wahrscheinlich noch nie im Blut. Den Abend lassen wir dann wieder ganz gechillt am Strand bei angenehmen Meeresrauschen ausklingen.

Der Rücktransfer zum Festland am Folgetag wird umso turbulenter. Die See ist rau und in Sihanoukville angekommen werden wir von unserem Fahrer versetzt. Die  6-stündige Autofahrt zurück zur Hauptstadt wird zäh und frustrierend. Dafür belohnen wir uns bei Ankunft mit einem letzten Schlendergang über einen von Phnom Penhs Märkte und finden sogar noch das ein oder andere Souvenir für uns und unsere Liebsten.

Unser Fazit: Eine geguidete Tour ist Urlaub einer ganz anderen Klasse. Die Vorbereitungen waren unglaublich entspannt, nicht zuletzt weil wir aber auch sehr großes Vertrauen in unseren Reiseveranstalter hatten, der mit extrem viel Erfahrung im Bereich Reisen in Südostasien aufwarten kann. Und im Großen und Ganzen verlief unsere Reise auch genauso wie im Programm vorab beschrieben. Lediglich in Angkor Wat fiel ein Programmpunkt flach, was aber auch etwas mit dem heftigen Schauer zusammen hing. Mit unserem ersten Guide für die Region um Siem Reap hatten wir ein paar Startschwierigkeiten und wahrscheinlich ist der Funke zwischen uns einfach nicht übergesprungen. Umso erleichterter waren wir, als wir unseren zweiten Guide Sina kennenlernten. Denn der machte einen phänomenalen Job. In tollem Englisch konnte er uns insbesondere die Historie und die Geschichte über die Roten Khmer nahebringen. Noch dazu hat er uns auch in seine Welt als Kambodschaner eintauchen lassen, in dem er uns viel über sich, seine Ehefrau und auch seine ganz traditionelle Hochzeit erzählt hat. Die vom Reiseveranstalter gewählten Unterkünfte waren allesamt zu empfehlen, auch wenn das Frühstück an vielen Stellen zu wünschen übrig ließ. Aber das liegt wohl einfach daran, dass man in Kambodscha ganz anders frühstückt, als in Europa, und wir früh morgens einfach noch keine Nudeln, Suppe oder gebratenen Reis runter bekommen. Kulinarisch war Kambodscha für uns sehr gewöhnungsbedürftig. Für unseren Geschmack wurde zu viel mit Zitronengras und Koriander gekocht. Nahezu überall hat man es gerochen oder geschmeckt. Nichtsdestotrotz haben wir auch viele Dinge probiert, die man so in Deutschland wahrscheinlich nie probieren würde. Insekten, Wooden Apple – der Geschmack erinnert erschreckenderweise an Schlehe! – Frosch oder unreife Mango sind nur ein paar Beispiele. Insbesondere wenn es um die Kultur der Khmer ging, waren die Guides absolut unverzichtbar. Bei einer eigenorganisierten Tour wäre spätestens der zweite Tempel nur noch ein Stück Stein mit irgendwelchen Gravuren oder Inschriften gewesen. Wir würden es wieder so machen!

Unsere Galerie zeigt unsere besten Eindrücke:

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