Färöer – Rund um Torshavn unterwegs

Färöer – Rund um Torshavn unterwegs

Für unseren Färöer-Trip entschieden wir uns für die Hauptstadt Torshavn als Ausgangspunkt. Denn hier sollte in diesen Tagen der Bär steppen, immerhin war Ólavsøka, Nationalfeiertag am 28. und besonders am 29. Juli. Dann kommen für gewöhnlich alle Färinger zusammen und feiern den Nationalfeiertag gemeinsam.

Hafen von Torshavn

Torshavn ist vom Flughafen Vágar kaum mehr als 40 Minuten entfernt, also auch keine wirkliche Entfernung. Generell sind die Färöer Inseln überschaubar und das Straßennetz verbindet alle interessanten Spots miteinander. Von daher spielt es keine große Rolle, von wo aus die verschiedenen Tagestouren starten.

Wir landen pünktlich am einzigen Flughafen der Inselgruppe und werden direkt von der Kälte der Färöer in Empfang genommen. Hinzu kommt ein beißender Nieselregen. Gut, dass wir das beim Kofferpacken berücksichtigt haben! Wie angekündigt steht unmittelbar nach der Landung ein Coronatest an. Das ganze läuft reibungslos ab und ist gut organisiert. Wahrscheinlich aber auch weil der Flughafen sehr überschaubar ist und coronabedingt nur zwei Maschinen pro Tag dort landen. Es werden Abstriche gemacht und wir bekommen die Anweisung, dass wir uns bis zu Bekanntgabe des Ergebnisses in häusliche Quarantäne begeben sollen. Für uns kein Problem, wir haben für den ersten Abend nichts geplant und das Wetter ist für großes Programm nicht wirklich einladend.

Nach 40 Minuten kommen wir in unserer Airbnb Unterkunft, (https://www.faroeguide.fo), in Hoyvik, ein paar Kilometer von Torshavn entfernt, an. Die Gastgeber sind super freundlich und die Unterkunft top. Wir haben eine kleine Küche, die wir uns mit anderen Gästen teilen. Das Zimmer ist funktional, aber gemütlich eingerichtet und das Bett ist bequem. Da es draußen noch immer regnet halten wir uns brav an die Vorgabe uns zu isolieren. Das Testergebnis kommt aber noch am gleichen Abend per SMS. Negativ! So lässt es sich noch besser entspannen.

Durch die Straßen der Haupstadt

An unserem Ersten Tag auf den Färöer Inseln machen wir die Hauptstadt Torshavn unsicher. In zentrumsnähe gibt es einen Gratisparkplatz (Parkeringsøkið á Skálatrøð) direkt am Hafen und wir starten mit einen, Spaziergang durch die Altstadt „Tinganes“, die zugleich auch das Regierungsviertel der Stadt ist. Das markanteste sind die engen Gassen und die kleinen Holzhäuser mit einer dicken Schicht Gras auf den Dächern. Definitiv einzigartig und ziemlich cool, wie wir finden.

Tinganes – die etwas andere Altstadt

Von der Halbinsel geht es ab zur Festung Skansin. Der rot-weise Leuchtturm sticht uns schon von Weitem ins Auge. Sehenswert sind außerdem die Bronzekanonen und besonders interessant ist die Hintergrundgeschichte. Denn die Festung wurde zur Abwehr von Piratenangriffen gebaut. Und tatsächlich musste sie damals auch einem Angriff türkischer Piraten standhalten. Von der Festung aus hat man einen tollen Blick auf den Hafen der Stadt und die Nachbarinsel Nolsoy.

Überall färöische Tracht zum Ólavsøka

Wir machen uns weiter auf den Weg Richtung Innenstadt. Hier bummeln wir etwas herum, halten Ausschau nach potentiellen Restaurants  und spähen in ein paar Schaufenster. Die Geschäfte sind nämlich wegen des Nationalfeiertags geschlossen. Wir machen Halt am Rathausplatz und warten auf die Politiker und die Geistlichen, die von dort aus in einer kleinen Prozession zur Kirche losziehen.

Tú alfagra land míttOh du mein schönes Land

Uns bleibt etwa eine Stunde, bis der Zug wieder dort vorbeizieht und wir nutzen die Zeit, um uns das Kongaminnið anzuschauen, ein Denkmal an den dänischen König Christian IX. Der Obelisk ist nicht wirklich spektakulär, der Ausblick dafür aber schon. Passend zu 12 Uhr treibt es uns zurück zum Rathausplatz, denn dort empfängt ein Chor in traditionellen Trachten die Politiker mit färörischen Gesängen. Die Solosängerin hat es total drauf und sorgt für Gänsehaut! Wir verstehen zwar nichts, aber die Atmosphäre ist toll.

Nach einem spannenden Ausflug durch Torshavn machen wir nachmittags noch eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall ganz in der Nähe unserer Unterkunft. Abends steht dann eines unserer ersten Highlights an: Ein Abendessen ganz im Stil der Färöer. Unsere Gastgeber kochen für uns ganz spezielle färörische „Köstlichkeiten“. Es gibt Walfleisch und Walblubber, getrockneten und fermentierten Fisch, getrocknetes und fermentiertes Lammfleisch und fermentierte Lammrippe. Dazu Bier und Akvavitt. Der Geruch wird uns definitiv ewig in Erinnerung bleiben. Ebenso der sehr penetrante Geschmack. Absolut gewöhnungsbedürftig, aber nicht ekelhaft. Gestärkt schmeißen wir uns noch ins Getümmel der Stadt und feiern ein bisschen mit.

Wandern, Wandern, Wandern

Den nächsten Tag beginnen wir mit einer Wanderung nach Kirkjubøur. Das Wetter spielt überraschenderweise mit und wir können uns auf einen herrlichen sonnigen Tag freuen. Nicht gerade selbstverständlich, denn solche Sonnentage gibt es vielleicht 10 x pro Jahr; wenn man Glück hat.

Auf dem Weg nach Kirkjubøur – herrliche Aussichten

Die Highlight-Wanderwege auf den Färöern sind in einem schönen Flyer, den es am Flughafen oder der Touri-Info in Torshavn gibt zusammengefasst. So ist auch der Beginn des Weges mit einer Tafel gut markiert.

Kirkjubøur hat eine der ältesten Kirche der Färöer Inseln

Auf dem Weg nach Kirkjubøur geht es zuerst ein ganz schönes Stück bergauf, bevor es wieder in Richtung Küste geht. Es ist so angenehm warm, dass wir schnell ins Schwitzen kommen und unsere Jacken im Rucksack verschwinden. Belohnt werden wir mit einem schmucken Dörfchen mit einer Kirche aus dem Mittelalter. Angeblich eine der ältesten Kirchen der Inseln, aber diese Aussage werden wir in den kommenden Tagen noch auf jedem Infoschild zu lesen bekommen. Das Wetter bleibt uns treu; Sonne und kaum Wolken. Eigentlich war der Plan, den Weg zurück zu laufen, aber wir treffen auf ein Ehepaar aus Hamburg die uns mit zurück zu unserem Auto nehmen, an dem wir die Wanderung gestartet haben. So haben wir noch ein wenig mehr Zeit für weiteres Programm.

Nachdem wir uns in Torshavn mit den ersten Postkarten eingedeckt haben, entscheiden wir uns spontan dazu, bei bestem Wetter eine weitere Wanderung in Angriff zu nehmen. Schließlich bleibt es hier auch bis spät in den Abend noch hell. So entscheiden wir uns recht schnell den höchsten Berg der Inseln zu erklimmen.

Das Dach der Inseln – Auf dem Slættaratindur

Nach knapp einer Stunde Fahrt erreichen wir den Slættaratindur. Der Berg ist 880 meter hoch und der Weg zum Gipfel kurz und vor allem eins: steil, steil und nochmal steil. Angeblich soll der Wanderweg für Kleinkinder geeignet sein. Wenn man uns fragt: Auf gar keinen Fall! Für uns ist der Weg zum Teil eine echte Qual. Der Gipfel scheint fast unerreichbar zu sein, obwohl man schnell einige Höhenmeter macht. Aber die Aussicht von dort oben ist jede Mühe, jede Schweißperle und jede Sekunde eines Puls von über 150 wert. Wir verschnaufen und genießen nur. Irgendwann treibt uns der kalte Wind dann aber doch wieder los. Der Abstieg wird noch einmal ein kleines Abenteuer. Gefühlt ist es bergab noch steiler und vor allem rutschig. Da ist der Anblick des Parkplatzes eine wahre Erleichterung.

Hierfür lohnt jede Anstrenung!

Hungrig geht es wieder nach Torshavn. Leider sind alle Restaurants in der Stadt ausgebucht; klar, es ist ja auch mächtig was los. Daher gibt es Pizza bei Pizza King. Die Pizza ist zwar wirklich ok, aber das Ambiente ist schmuddelig und erinnert an einen deutschen Bahnhofsimbiss.

Kleine Dörfer, viel Landschaft

Für unseren dritten Tag stand eigentlich der Wanderritt auf den seltenen Färörponys auf unserem Plan. Der wurde allerdings spontan von der Veranstalterin verschoben, weswegen wir etwas improvisieren müssen. Fürs erste machen wir uns auf den Weg nach Saksun.

Blick auf die Lagune von Saksun

Der Weg dorthin führt über eine ziemlich schmale, zum Teil einspurige Straße und ist bereits ein kleines Abenteuer für sich. Vor Ort bestaunen wir das leider geschlossene Freilichtmuseum mit den kleinen Häuschen und den Grasdächern. Wir wandern den natürlichen Hafen bis zum Meer entlang und hoffen, dass uns die Flut nicht erwischt. Die Flutzeiten sind aber auch zu Beginn des Weges angeschlagen.

Für den Wanderweg fällt eine Gebühr von 75 dänischen Kronen an, die wir einfach per Kreditkarte zahlen können. Für uns aber vollkommen ok, denn immerhin führt der Weg über Privatbesitz. Außerdem ist es für uns eine tolle Erfahrung, die durch einen Tsunami entstandene Versandung entlang zu laufen, bis wir irgendwann das Meer erreichen. Es weht ein ordentlicher Wind und feine Sandkörner polieren unsere Haut. Wahrscheinlich gibt es kein besseres Peeling.

Tjørnuvík – ein idyllisches Dorf

Von Saksun aus geht es weiter nach Tjørnuvík. In dem kleinen pittoresken Dörfchen stellt ein Einheimischer sein Wohnzimmer Touristen zur Verfügung, um sich bei Kaffee, Tee und frisch gebackenen Waffeln etwas aufzuwärmen. Wir genießen das tolle Ambiente und die kleine Stärkung. Lecker!

Nach ein paar weiteren tollen Fotoaufnahmen machen wir uns weiter auf den Weg nach Gjógv. Das kleine Dorf direkt an der Küste erhält seinen Charme vor allem durch die steilen Klippen, wo wir das Glück haben, unseren ersten Puffin zu beobachten. Der kleine Vogel fliegt immer wieder aufs Meer hinaus, nur um dann wenig später wieder in einer kleinen Höhle direkt in den Klippen zu verschwinden. Da aktuell Brutsaison ist vermuten wir, dass ein Vogelpärchen dort nistet und das Küken mit frisch gefangenem Fisch versorgt.  Wir könnten auch noch weiter an den Klippen entlang wandern, aber die Zeit sitzt uns etwas im Nacken und wir fahren zurück nach Torshavn.

Fürs Abendessen haben wir uns über unsere Hosts einen Tisch im Angus Steak House in Torshavn reservieren lassen. Die Reservierung ist auch dringend notwendig; und das auch zu Recht. Das Steak ist 1a, eines der Besten, das wir überhaupt je gegessen haben. Ultrazart und vom Preis her vollkommen ok. Auch das Lamm schmeckt super und ist butterweich. Die Hummersuppe ist leider ausverkauft. Schade!

Auf dem Rücken der Ponys

Nach dem tollen Abendesssen im Angus Steak House sind wir am nächsten Tag noch immer gestärkt für eines unseer Highlight des Urlaubs: Ein Wanderitt auf den robusten kleinen Färöeronys. Wir haben uns ganz bewusst für den Anbieter www.faroehorse.com entschieden. Der Grund: Hier erwartet uns ein Wanderritt auf den originalen Färöerponys, von denen es tatsächlich nur noch rund 100 Tiere gibt! Mit unserem Ritt tragen wir also auch maßgeblich dazu bei, diese tollen Ponys für die Zukunft zu erhalten. Die Eigentümer der kleinen Ponyherde züchten nämlich erfolgreich, sodass sich die Population langsam wieder erholt. Unser Trip startet um 13 Uhr. Die Zeit vorher nutzen wir noch, um uns das Nationalmuseum der Färöer und noch ein weiteres Freilichtmuseum anzuschauen. Kulturinteressierte kommen hier alle Male auf ihre Kosten.

Mit dem Auto machen wir uns auf den Weg zum Ausgangspunkt unseres Wanderitts. Der Stall liegt irgendwo im Nirgendwo und wir müssen schon einige Höhenmeter zurücklegen, bevor wir nach etwa einer halben Stunde an einem kleinen und unscheinbaren Stall ankommen. Hinzu kommt unglaublich dichter Nebel, der überall in der Luft wabert. Kein wirklich einladendes Wetter für einen Reitausflug, aber das sind wir ja bereits aus Kanada gewohnt.

Wir werden von den Besitzern und den Ponys freundlich empfangen und ohne Sattel tragen die Fellnasen uns durch unwegsames Gelände. Wahrscheinlich haben wir weit mehr mit dem fiesen Nieselregen und dem beißenden Wind zu kämpfen als die Vierbeiner. Aber die Körperwärme wärmt immerhin den Po und die Beine. Insgesamt drei Stunden sind wir eins mit der Natur. Zwischendurch machen wir noch eine kurze Pause an einem schönen Aussichtspunkt und wärmen uns bei einem Becher Kaffee bzw. Tee ein wenig auf. Sicherlich ist so ein Ausritt ein weiteres „once in a lifetime“ Erlebnis, an das wir uns noch oft und gerne erinnern werden. Erschöpft und etwas verfroren machen wir uns auf den Weg zu unserer neuen Unterkunft Klaksvik, einer schönen Küstenstadt und gleichzeitig dem Ausgangspunkt für unsere kommenden Ausflüge auf den Inseln.  Abends gönnen wir uns noch unseren ersten und wirklich leckeren Burger im Jacqson, einem sympathischen Pub.

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