Auf dem Rücken der Pferde bis nach Calgary

Auf dem Rücken der Pferde bis nach Calgary

Wir verlassen heute die Rocky Mountains und begeben uns langsam in die weiten Ebenen Albertas. Hierzu tauschen wir in bestem Cowboy-Stil unser Auto gegen das Pferd. Denn wir planen einen Ausritt!

Bereits vor Wochen haben wir den mehrstündigen Ritt bei Moose Mountain Horseback Adventures gebucht und vor allem Andrea freut sich darauf hoch zu Ross durch die kanadische Wildnis zu reiten. Es ist aber das erste Mal, dass Jonas auf einem Pferd sitzt und so waren wir bei der Planung vorsichtig und haben keinen mehrtägigen Ritt durch die Prärie geplant. Das Wetter zeigt sich leider immer noch nicht von seiner besten Seite. Es regnet!

Dennoch sind wir bereit für den Ausritt und schwingen uns in den Sattel. Nach kurzer, aber gründlicher Einweisung und kleinen Lektionen des Western Reitstils, geht es auf Fury und auf Fire los. Unser Guide reitet vorweg. Direkt hinter der Ranch sind wir bereits mitten in der Wildnis. Wir reiten langsam durch einen Birkenwald und sehen zahlreiche Nagespuren heimischer Biber. Schnell ist der Regen vergessen! Über Wiese, Wald, Stock und Stein geht es weiter und unser Guide führt uns sicher durch die kleine Tour.

Das Glück der Erde – Reiten bei Bragg Creek

Plötzlich kracht es im Walddickicht und ein riesiger Uhu flüchtet wenige Meter entfernt knapp über dem Boden fliegend vor uns. Das macht die Pferde nervös und Fire macht einen kleinen Satz nach vorne. Dank der herausragenden reiterlichen Fähigkeiten von Jonas bleibt das Pferd wieder stehen. Vielleicht aber auch nur, weil es sonst gegen einen Baum gelaufen wäre.  Im ruhigen Schritt geht es nun langsam wieder zur Ranch und nach ein paar Stunden ist das Abenteuer auch schon beendet. Durchnässt, aber zufrieden machen wir uns einen entspannten Abend auf der Ranch. Zum Abendessen gibt es leckeren kanadischen Lachs mit deutschen Bratkartoffeln und wir schlafen anschließend mal wieder in einem gemütlichen Bett.

Noch mehr Cowboy-Feeling und Calgary

Am nächsten Morgen wollen wir – gut erholt – Richtung Calgary aufbrechen. Wir erhalten aber von unseren netten Gastgebern den Tipp unbedingt zur Bar U Ranch zu fahren. Calgary hingegen habe nicht sonderlich viel zu bieten. Und so machen wir spontan einen kleinen Umweg.

Selten: Elchkuh und Kalb passieren die Straße

Nach wenigen Kilometern fällt uns auf, dass wir unser Duschgel vergessen haben!  Ein paar Tage zuvor haben wir uns noch über die recht hohen Duschgelpreise in Kanada gewundert und so entschließen wir uns für die noch fast volle Flasche Duschgel kurzerhand wieder umzudrehen.  So ein Mist! Wir drehen und schon läuft eine Elchkuh mit zwei Kälbern über die Straße! So ein Glück!

Weite Sicht bei der Bar U Ranch

Dann kommen wir auf der Bar U Ranch, ebenfalls eine National Historic Site, an. Der nächstgrößere Ort ist Longview. Und auch hier zeigt sich die passende Namenswahl. Wir haben einen herrlich weiten Blick auf die Bergkette der Rocky Mountains! Auch die Ranch ist spannend und zeigt im Grunde das Leben hier vor einhundert Jahren. Die Bar U Ranch war eine der führenden Viehranches in Kanada und war Ausgangspunkt von zehntausenden Kühen, die im umliegenden Gelände weideten. Aus europäischer Sicht nahezu unglaublich, wie groß dieses Land einfach ist!

Die Skyline von Calgary

Für uns geht es weiter nach Calgary. Wir schlagen unser Zelt auf dem Calgary West Campground auf und fahren per Park and Ride von der nahen Crowfoot Station nach Downtown. Leider haben wir keinen richtigen Plan, was wir genau sehen wollen und nordamerikanische Großstädte machen es einem dank Hochhausschluchten und Schachbrettsystem auch nicht leicht eine Art Stadtkern auszumachen. Wir orientieren uns daher in Richtung Bow River und gehen im Prince’s Island Park spazieren. Zurück zwischen den Häusern stellen wir fest, dass uns nicht mehr danach ist planlos um die Häuserblöcke zu laufen und entscheiden uns für den Rückweg. Calgary hat uns nicht umgehauen, vielleicht hätte wir uns eher einen Plan machen sollen. Einzig die Glastunnel, die die Häuserblöcke verbinden und ein Shoppingerlebnis auch im Winter ermöglichen, sind uns im Kopf geblieben. Denn im Winter klettert das Thermometer nur selten über den Gefrierpunkt.

Zurück an der Crowfoot Station machen wir uns im nahen Gewerbegebiet auf Nahrungssuche und wählen ein A&W Restaurant. Schließlich müssen wir ja testen, welche Fast Food Kette, die besten Burger macht. Und zumindest dieser A&W ist da ganz gut dabei. Noch besser als die Burger ist aber, dass wir unsere Softdrinks in einem ordentlichen Glashumpen bekommen. Das hat Stil!

Die Nacht verläuft nicht ganz so ruhig, wie bisher. Während in den Rocky Mountains lediglich Vögel und Eichhörnchen zu hören waren, heulen in Calgary nachts plötzlich zahlreiche Kojoten. Sie sind vermutlich weit weg, aber es hört sich an, als würden sie rund ums Zelt nach Nahrung suchen. Das Geheul ist im Übrigen nicht so cool wie Wolfsgeheul, sondern klingt eher nach Kreaturen eines billigen Zombiefilms. Wir beide hören es, beschließen aber jeweils den anderen nicht zu wecken, um diesen nicht zu verängstigen. Am nächsten Morgen ist alles friedlich und es sind auch keine Kojotenkratzspuren in der Zeltplane zu sehen. Puh!

Leider nur von außen zu sehen: Der Olympic Park in Calgary!

Wir machen uns wieder auf den Weg und besuchen den nah am Campground gelegenen Olympic Park, Heimat der olympischen Winterspiele 1988. Eigentlich wollten wir die Skisprungschanze besuchen, aber uns wird erklärt, dass dies auf Grund eines Events heute nicht möglich ist. Schade, denn das Wetter ist gut und die Sicht sicher auch. Immerhin können wir in einem Bob Platz nehmen, der Filmgeschichte geschrieben hat. 1988 debütierte die jamaikanische Bobmannschaft bei den Winterspielen hier in Calgary. Cool Runnings!

Für uns geht es auch sportlich weiter. Unsere nächste Etappe führt uns nach Rocky Mountain House zu einem waschechten Rodeo-Event!

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