Rocky Mountain House – Cowboy Feeling pur!

Rocky Mountain House – Cowboy Feeling pur!

Von Calgary aus verlassen wir die klassischen Touristenrouten und machen uns auf den Weg ins etwa 220km nördlich gelegene Rocky Mountain House.  Schon vor Beginn der konkreten Planung der weiteren Tage stand das Programm für dieses erste Juni-Wochenende schon: Wir besuchen ein Rodeo!

Bevor es am nächsten Tag Cowboy-Feeling pur geben sollte, stand aber erst der Transfer und etwas Historie auf dem Programm. Wir besuchen die Rocky Mountain House National Historic Site. Diese befindet sich ein Stück weit außerhalb der Stadt und ist nur über eine kleine Straße zu erreichen. Doch der Besuch lohnt sich. Wir erfahren etwas über die ersten Trapper, Siedler und Indianer die hier miteinander gehandelt und gelebt haben.

Die Kamine der ersten Siedler in Rocky Mountian House

Das historische Highlight sind zwei Kamine, die von den Pelzhändlern vor nicht einmal 200 Jahren errichtet wurden. Aus europäischer Sicht sind 200 Jahre Geschichte fast nichts, aber im Westen Nordamerikas bedeutet das schon den Ursprung aller modernen Zivilisation – abgesehen von der respektvollen Geschichte der Indianer.

Todschick:: Bisonfellmantel

Wir schlendern bei herrlich warmen Wetter auf dem kleinen Weg der Historic Site entlang, der in einem Kreis verschiedene Eckpunkte der Geschichte des Ortes beleuchtet. Neben den Kaminen gibt es auch einen Friedhof und weitere Stationen, an denen auch engagierte Mitarbeiter Rede und Antwort stehen. So darf Jonas sich in einen Bisonfellmantel und mit passender Mütze überwerfen. Der ist echt schwer und schön warm. Fast schon schade, dass wir hier gerade über 30 °C haben.

Unser Zelt schlagen wir auf dem Riverview Campground direkt am Ufer des North Saskatchewan River auf und lassen den Abend mit einem gemütlichen Barbecue ausklingen. Morgen haben wir viel vor!

Vormittags zur Parade

Im Grunde findet das Rodeo-Event das ganze Wochenende über statt, aber wir entscheiden uns für den Hauptteil am Samstagnachmittag.  Teil des Spektakels ist dabei aber nicht nur das Rodeo in der North Saskatchewan River Arena, sondern auch eine Parade, die am Samstagmittag durch die Stadt zieht. Wir beide, damals noch in Bonn wohnend, machen uns karnevalserprobt rechtzeitig auf den Weg, um einen guten Platz zu ergattern. Es ist was los in der kleinen nicht einmal 7.000 Einwohner zählenden Stadt und die Stimmung ist fröhlich.

Gespanntes Warten auf die Parade

Wir setzen uns unter einen kleinen Baum an den Straßenrand und warten. Einige wenige tun es uns gleich und langsam füllt sich das Ganze. Wirklich eng wird es allerdings nicht. Dies liegt auch daran, dass ein Nordamerikaner solch eine Parade gerne von seinem mitgebrachten Campingstuhl verfolgt.

Red Deer Shrine Club in charakteristischen kleinen Autos

So ganz wissen wir nicht, was uns erwartet und dann geht es los. Vorneweg die Polizei und waschechte kanadische Mounties! Dahinter folgen verschiedene Reiter, Kutschen und Schönheitsköniginnen hoch zu Ross. Keine geringere als die Miss Ponoka Stampede reitet vorbei!

Die Marching Band sorgt für Musik

Und es macht einfach Spaß dabei zu sein. Lokale Unternehmen nutzen die Parade ebenso, um sich zu zeigen wie kleine Vereine oder Gruppierungen. Es gibt Musik durch Marching Bands und Musikgruppen auf den Trucks!

Das ist aber kein Pferd!?

Auch Süßigkeiten werden verteilt! Wir ergattern eine kleine Tüte salziges Popcorn und ein Kaugummipaket mit Rootbeer-Geschmack. Beides nicht unser Geschmack, aber das ist auch der einzige Wehrmutstropfen. Es ziehen weitere Kuriositäten an uns vorbei, seien es alte Autos oder ein riesiger Ochse mitsamt Reiter!

Auch die First Nations präsentieren sich!

Auch die First Nations, wie die kanadischen Indianer genannt werden, zeigen sich den Besuchern. Nachdem die örtliche Feuerwehr die Parade abschließt heißt es für uns weiter zum Rodeo.

Nachmittags zum Rodeo – Yee-haw!!

Vor der North Saskatchewan River Arena ist ein kleiner Jahrmarkt mit allerlei Buden und Fahrgeschäften aufgebaut und eine große Festhalle lädt zum Feiern ein. Im Grunde wie ein deutsches Schützenfest, nur dass die ganze Zeit „Cotton Eye Joe“ gespielt wird! Zumindest würde es passen! Wir kaufen unser Tagesticket mit unserem restlichen Bargeld und auf geht’s bei praller Sonne auf die Tribüne. In einer Stunde geht das Rodeo los!

Wir sprechen hier im Übrigen nicht von einer Wald-und-Wiesen-Veranstaltung, sondern echtem professionellem Sport. Eine ganze Serie dieser Events wird von der Canadian Professional Rodeo Association (CPRA) organisiert und hat ihren Höhepunkt im Herbst, wenn der Sieger der Serie 1.000.000 Kanadische Dollar Preisgeld erhält!

„O Canada! Our home and native land!“
„O! say can you see, by the dawn’s early light…“

Patriotisch beginnt das Event mit den Nationalhymnen Kanadas und den USA. Und schon steht die erste Disziplin auf dem Programm: Bareback Riding! Hinter einem Gitter setzt sich der Cowboy auf ein ungesatteltes Pferd und versucht sich mit einer Hand so lang es eben geht auf dem Pferd zu halten. Das Gitter geht auf und die Post ab! Mit massiven Sprüngen versuchen die Pferde ihre Reiter abzuwerfen. Was für ein Spektakel. Kommentiert wird das ganze übrigens auch von einem Kommentator und seinem Gegenpart, einem so genannten Rodeoclown. Diese halten die Zuschauer bei Laune und werfen geben gegenseitig die Vorlagen für gute Unterhaltung.

Schlag auf Schlag geht es mit der nächsten Disziplin weiter. Ein Kalb kommt in die Arena, ein Cowboy mit Pferd hinterher und das Kalb rennt an der anderen Seite wieder raus. Ok, der Sinn des Ganzen erklärt sich uns erst nach dem ersten erfolgreichen Versuch des so genannten Calf Roping: Ziel ist von einem Pferd  ein Kalb mit seinem Lasso zu fangen, abzusteigen und drei Füße des Kalbs zu verschnüren. Seinen Ursprung hat die Disziplin, wie im Übrigen nahezu alle Rodeodisziplinen, in der alltäglichen Arbeit eines Farmers. So leicht ist es nicht! Oft entwischt das Kalb dem Lasso und sowohl Reiter, als auch Pferd müssen hoch konzentriert arbeiten.

Zunächst das Kalb mit dem Lasso fangen…
… dann seine Hufe verschnüren

Und schon folgt die nächste Cowboy-Aufgabe. Diesmal wird die Kuh aber größer. Steer Wrestling steht an. Es gilt einen jungen Ochsen vom Pferd aus in vollem Galopp zu Boden zu ringen. Es sieht extrem aus, wenn der Ochsen an seinen Hörnern zu Fall gebracht wird, aber auch hier entwischt dieser oft. Wir vertrauen darauf, dass die Farmer in ihrem Alltag ihren Ochsen, also ihrem Besitz, keinen Schaden zufügen wollen und es den Tieren daher gut geht. Klar, wir reden hier nicht von einer Sportart, die von PETA gesponsort werden würde, aber es gehört hier zur allgemeinen Tradition und eine übermäßige Tierquälerei ist es unserer Meinung nach nicht.

Pack den Stier bei den Hörnern…
…und bring ihn zu Boden!

Wir gönnen uns ein Eis und nach einer kleinen Pause mit einer kleinen Reitvorführung und Showeinlage des Rodeo-Clowns stehen erneut junge Ochsen im Mittelpunkt. Die Nachwuchsdisziplin des Steer Riding steht an. Wie beim späteren Bull Riding geht es darum, einen Bullen zu reiten. Nur sind sowohl Reiter als auch Bulle nicht voll ausgewachsen. Schon enorm, welche Kräfte hier zu sehen sind.

Show-Einlage des Rodeoclowns während der Pause

Als nächstes steht das Team Roping an. Zwei Reiter versuchen einen jungen Ochsen zu fangen. Während der eine Reiter den Ochsen mit dem Lasso an den Hörner erwischen muss, visiert der andere das Hinterbein an. Erst wenn beide Lassowürfe erfolgreich waren und der Ochse gefangen ist, gilt der Versuch als bestanden. Ganz schön vielseitig so ein Cowboyleben.

Beim Team Roping müssen beide Cowboy ihr Lasso zielsicher schwingen

Bevor es zum Höhepunkt des Tages kommen sollte, wird die Arena nochmal hergerichtet und zwei Tonnen im Sand aufgestellt. Der Westernpferdefan weiß was kommt: Barrel Racing. Auf Zeit gilt es möglichst schnell per Pferd die Tonnen zu umkurven und zum Start/Ziel zurückzukehren. Dies ist übrigens eine reine Cowgirl-Angelegenheit, aber nicht minder beeindruckend.

So schnell wie möglich um die Tonnen beim Barrel Racing
Enger Richtungswechsel bringt wertvolle Zeit

Dann steht Bull Riding auf dem Plan. Die Königsdisziplin! Acht Sekunden auf einem wilden Bullen! Wir spüren, dass wirklich jeder großen Respekt vor den Tieren hat. Während die Begleiter in der Arena zuvor noch recht entspannt waren und auch der Rodeo-Clown immer wieder zwischen den einzelnen Teilnehmern für Späße zu haben war, wird es nun ernst. Beim Bareback Riding konnte der Clown noch in der Arena umher wuseln, denn das Pferd beruhigt sich sobald es seinen Reiter abgeworfen hat und trabt dann zurück zum Ausgang. Der Bulle hat etwas mehr Power und so versteckt sich der Rodeo-Clown in einer aufgebauten gepolsterten Tonne und hinterlässt sein Schaumstoffdouble daneben.

Der Reiter besteigt den Bullen, das Gitter geht auf und los geht’s. Wirklich lange hält sich niemand auf dem Tier, auch hier ist Festhalten nur mit einer Hand erlaubt. Das Ziel sich acht Sekunden zu halten, wird selten erreicht. Sobald der Reiter abgeworfen wurde, versuchen Begleiter den Bullen abzulenken und Reiter treiben ihn aus der Arena. Schon auf der Tribüne spüren wir unser Adrenalin steigen. Was für ein Spektakel!  Damit ist der Wettkampf auch beendet und aufregende Stunden liegen hinter uns.

So sieht echtes Cowboyfrühstück aus!

Am nächsten Morgen starten wir mit echtem Cowboyfrühstück. In der Festhalle gibt es ein leckeres Pancake-Breakfast und wir sind uns einig: Das ist echter kanadischer Wilder Westen! Der Abstecher nach Rocky Mountain House hat sich wirklich gelohnt. Fernab der Touristenpfade haben wir tollen Sport und die nordamerikanische Kultur wie aus dem Bilderbuch erleben dürfen. Sowohl die Parade und auch das Rodeo waren so unterhaltsam, dass wir auch die nächsten Tag damit verbringen könnten. Aber auch unser nächstes Ziel bedient sich der Romantik des Wilden Westens: Bisons im Elk Island National Park!

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