Färöer-Inseln – von Schafen, Regen, Puffins und Meer

Färöer-Inseln – von Schafen, Regen, Puffins und Meer

Keiner weiß am frühen Morgen, wo er am Abend zu Gast ist.

Färöisches Sprichwort

Island kann jeder. Das haben wir uns zumindest gedacht, als wir unsere Tour für das Jahr 2020 planten. Fakt war, dass wir der Hitze des Sommers entfliehen wollten und unser Reiseziel in diesem Jahr irgendwo sein sollte, wo es kühl und eher ruppig ist. Zweifelsohne denken viele hierbei an die Vulkaninsel Island. Auch wir haben erst mit dem Gedanken gespielt, aber nach einiger Recherche war es uns 1) zu touristisch überlaufen und 2) summa summarum doch ein wenig zu teuer, nachdem unsere Tour 2019 nach Kambodscha unseren Geldbeutel nicht gerade geschont hat. Wir stießen nach einiger Zeit auf die kleinen Färöer-Inseln, die in gewisser Weise ein kleines Pendant zu Island sein sollen.

Traditionelle Häuser in Saksun

Was den ersten Punkt betrifft, haben wir definitiv die richtige Wahl getroffen. Denn – und da kam und Corona tatsächlich etwas zu Gute – unser Urlaub war insgesamt alles andere als von Touristengruppen überlagert. Die Inseln, die ohnehin nur ca. 50.000 Einwohner haben, waren ruhig und leer, und das, obwohl wir zur Hochsaison im Juli/August dort waren. Aber selbst ohne Corona hätten und wahrscheinlich keine großen Menschenmassen erwartet.

Der zweite Punkt. Nunja, günstig sind die Färöer Inseln auf jeden Fall nicht. Wir haben neun volle Tage auf den Inseln eingeplant, die sich trotz der Winzigkeit der Inseln wunderbar füllen lassen. Der größte Kostenpunkt war der Mietwagen, der bei uns mit 1500 Euro zu Buche schlug. In der Nebensaison sind sie noch mal deutlich günstiger, aber im Hochsommer sind das ganz normale Preise. Die Kosten für Verpflegung sind auf skandinavischem Niveau. Entsprechend sollte die Reisekasse für Essen, Trinken (insbesondere Alkohol) oder auch Souvenirs schon einen Puffer haben. Wer – wie wir – auf einzigartige Souvenirs steht, sollte in einem der vielen Wollbekleidungsläden zuschlagen. Hier findet man Pullover, Mützen, Schals und und und aus reiner Schafswolle.

Überall zu finden: Schafe auf den Färöer Inseln

Was das Wetter angeht, wurden wir ebenfalls nicht enttäuscht, denn es war überwiegend wirklich kalt und ruppig. Eine wirklich gute Regenjacke, dicke Socken und im Idealfall sogar lange Unterhosen gehören auf jeden Fall in den Koffer! Denn die Färöer-Inseln sind kalt und nass; meistens sogar beides zugleich.

Múlafossur bei typischem Wetter

Obwohl der Urlaub insgesamt uns doch deutlich mehr gekostet hat als geplant, wurden wir mit einer tollen Tour belohnt, die wir so schnell nicht mehr vergessen werden. Durch den Mietwagen waren wir absolut flexibel und konnten sogar ganz entlegene Orte der Inselgruppe ansteuern.

Hafen von Tórshavn

Wir starteten in Tórshavn, der Hauptstadt.  Eine echt tolle Stadt, die – vor allem da zu dem Zeitpunkt Nationalfeiertag war, der ganz groß zelebriert wird – einfach nur Spaß macht. Das Regierungsviertel  in der Altstadt Tinganes ist etwas ganz besonderes, was wir so noch nicht eher zu Gesicht bekommen haben. Die Festung hat Skansin hat einfach nur Charme.

Da die Stadt überschaubar groß ist, lädt sie einfach zum Schlendern und Bewundern ein. In der Nähe von Tórshavn haben wir außerdem ein ganz besonderes Erlebnis eingeplant: Ein Ritt durch die wilde Natur der Färöer Inseln auf original Färöerponys.

Blick auf Klaksvík

Von der Hauptstadt geht es weiter Richtung Klaksvík, einer etwas größeren Stadt auf einer anderen Insel. Dort war der Aufstieg auf den Klakkur ein Muss. Und natürlich darf ein Besuch auf der für Ihre Puffins bekannten Insel Mykines nicht fehlen. Zum Abschluss wechseln wir noch einmal die Insel und übernachten auf Sandavagur, schlicht, weil es von dort aus ein Katzensprung zum Flughafen ist.

Ein Highlight der Inseln: Puffins auf Mykines

Generell spielt es auf den Färöer Inseln allerdings keine Rolle, wo man seine Zelte aufschlägt, da man ohnehin (außer in Tórshavn) auf einen Mietwagen angewiesen ist. Und die Strecken sind wirklich kurz; wir saßen kaum mehr als eine Stunde im Auto, um von einem Ziel zum anderen zu kommen. Das Verkehrsaufkommen ist quasi nicht existent und es ist total entspannt, mit dem Auto unterwegs zu sein. Das einzig gewöhnungsbedürftige sind wohl die unbeleuchteten, einspurigen (!) Tunnel. Aber auch an die gewöhnt man sich nach ein paar Durchfahrten.

Idyllisches Örtchen: Tjørnuvík

Unsere Unterkünfte werden uns ganz besonders in Erinnerung bleiben. Um auch etwas mehr von der Kultur der Färinger mitzubekommen – und schlicht auch, weil Hotels auf den Inseln eher Mangelware sind – haben wir uns für Airbnb-Unterkünfte entschieden. Unsere Gastgeber waren allesamt super nett!  Unsere Hosts in Torshavn (https://www.faroeguide.fo/) bieten sogar ein typisches, färörisches Essen inklusive Walfleischverkostung an!

Für uns absolut authentisch und eine super Gelegenheit, um mit dem Färingern in Kontakt zu kommen. Für unsere letzten beiden Tage haben wir uns für ein kleines Tinyhouse entschieden und waren restlos zufrieden. Auf kaum mehr als 12 m² hatten wir alles, was wir brauchten. Da das Wetter gerade an den letzten Tagen echt fies wurde, haben wir die urige und kuschelige Hütte umso mehr genossen. Unsere Gastgeber überraschten uns sogar mit einer Flasche Sekt, da die Tour auf die Färöer Inseln quasi unsere Flitterwochen sein sollten. Eine ganz tolle Geste, über die wir uns super gefreut haben. Solche Kleinigkeiten machen eben den Unterschied zu einem normalen, eher anonymen Hotel aus.

Blick vom Slættaratindur – dem höchsten Berg der Inseln

Unser Fazit? Unbedingt würden wir die Färöer-Inseln als Reiseziel weiterempfehlen. In neun Tagen haben wir unglaublich viel entdecken können, tolle Menschen kennengelernt, hammerharte Wanderungen hinter uns gebracht, Millionen zuckersüße Puffins gesehen, wahrscheinlich noch mehr Schafe gezählt, total authentisch gegessen, sind klatsch nass geworden, hatten trotzdem ein paar wundervolle Sonnentage und haben insgesamt einfach einen tollen und einzigartigen Urlaub gehabt.

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